Die Überschrift hat irgendwie keinen direkten Zusammenhang, hängt aber doch irgendwie näher beisammen als man eigentlich meinen möchte. Für die deutsche Glaskultur spielt der bayrische Wald bzw. eigentlich der gesamte bayrische Raum und die grenznahen Gebiete in Österreich eine durchaus wichtige Rolle.

Denn in diesen Gegenden befinden sich viele Glasmanufakturen die eine bereits mehr als 700-jährige Tradition pflegen. Neben vielen kleinen (relativ unbekannten) Glashütten, gibt es dort auch einige sehr große und weltweite bekannte Glashütten. An vorderster Front sind dabei vermutlich die Glashütten um Riedel (kommen allerdings aus der Nähe von Kufstein), Spiegelau und Nachtmann zu nennen.

Um diese Glaskultur uns Bloggern näher zu bringen, hatte Spiegelau vor einigen Wochen zum samstäglichen Seminar zur Erlangung des Titels „Master of Glass & Taste“ geladen. Neben viel Bier und leckeren Häppchen gab es auch eine ganze Menge wissenswerte rund ums Glas, deren Formen und den daraus resultierenden Geschmack zu erfahren. Abschließend wurde das Gelehrte in einem hochwissenschaftlichen Prozess abgeprüft und wir erhielten unsere Zertifikate.

Ich bin jetzt, neben einer ganzen Latte – unwichtiger – akademischer Grade auch ein zertifizierter „Master of Glass & Taste“. Ziemlich toll, oder? Um die ganze Geschichte zu erzählen, muss ich natürlich von vorne anfangen.

Los ging es früh morgens am Münchner Ostbahnhof, nach einer wahren Odyssee (die S-Bahnen taten mal wieder das was sie immer tun, nicht fahren….) durch München. Mit einem Bus ging es auf Weltreise ins nahe gelegene Markt Schwaben, genauer gesagt in die „Fachwelten Bayern“.

Beginnend mit einem kleinen Vortrag über Geschmack, Geschmäcker, Glasformen und Glasverarbeitung führte uns Christian Kraus, Vertriebsdirektor von Spiegelau in die Welt der Gläser und von Spiegelau ein.

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Er erklärte, nicht nur die Formen, sondern auch die Verarbeitung ist für den Geschmack ein entscheidender Faktor. So hat zum Beispiel die Art des Glasrandes großen Einfluss auf das Verhalten der Kohlensäure und damit auf die gefühlte Perligkeit im Mund.

Anhand der Spielau’schen Craftbeer Gläser, die von Experten aus aller Welt für alle erdenkbaren Biersorten entwickelt wurden, durften wir sodann eine praktische Lektion über die gerade erlernte Theorie erfahren.

Ziel dieser Glasformen ist es, die verschiedenen Charakteristiken der einzelnen Biersorten perfekt an die verschiedenen Sinneswahrnehmungen zu übergeben. Neben dem Geschmack, Geruch und der Perligkeit ist dabei auch Mundgefühl von großer Wichtigkeit. Verteilt sich das Bier gleichmäßig im Mund oder fließt es direkt über die Zunge an den Gaumen?

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Ein weiteres wichtiges Erkenntnis: Die bekannten Gläser für Biere (Weizen, Pils und der Willi) sind zum Biertrinken aus verschiedensten Gründen gar nicht geeignet.

Anhand einer Reihe verschiedener Glasformen konnten wir dann die Quervergleiche verschiedener Glasformen erfahren. Der Einfluss auf den Geschmack ist dabei gigantisch. Im besten Fall schmeckten die Biere aus dem falschen Glas einfach nur schal. Im schlechtesten Fall waren die Biere enorm bitter oder schmeckten gar völlig verbrannt.

Im richtigen Glas konnte man dann allerdings wahre Armonenspiele am Gaumen beobachten. Zitronen, Schokolade und Karamell zeigten was Biere können. Ein Traum. Da wurde selbst ich, der ein Glas Wein oder Rum jedem Bier vorzieht, schwach.

Toll! – Nach der Verkostung war dann aber erstmal Pause (die auch bitter nötig gewesen ist, da man zu relativ früher Stunde doch schon das ein oder andere Glas Bier intus hatte. Was hätte ich für einen schönen Schweinsbraten, einen Döner o.Ä gegeben…).

Nach der Pause ging es dann weiter mit ein wenig Smalltalk, der Aufnahme eines Podcasts bevor es zum krönenden Abschluss des Abends überging. Der Qualifizierung. 4 Teams. 4 Stationen. Nach dem Motto „Viel Feind, viel Ehr“ lieferten sich die verschiedenen Gruppen einen harten Kampf um die Krone des „Master of Glass & Taste“.

Da wurden Biermenüs kreiert, Biersorten erschmeckt, Malzsorten analysiert (… manche würden sich da durchaus auch fürs morgendliche Müsli eignen…) und natürlich die erlangte Allgemeinbildung über das Bier, das Brauen und natürlich die Gläser abgeprüft.

Nach der feierlichen Verleihungszeremonie ging es dann auch langsam wieder gen München. Für den harten Kern der #Alkoblogger-Szene ging es noch weiter ins Münchner Taphouse, ich musste an dieser Stelle leider passen. Der Tag Abend war hart, mir tat alles weh und ich war heilfroh, dass ich ins Bett durfte. (Ja, das ging bei mir auch schon mal besser, aber aktuell gehts bei mir ein wenig drunter und drüber :))

An dieser Stelle darf ich mich ganz herzlich bei den Organisatorinnen und der Marke Spiegelau für den sehr schönen Nachmittag, die interessanten Gespräche und natürlich die Einladung bedanken. Ein besonderer Dank gilt Christina Pahnke von sampics photographie für die Fotos, die ich dankenswerterweise für den Blogbeitrag verwenden durfte (und teilweise auch habe).

Aber dennoch sollte die Lektion Glas für mich an diesem Tag noch nicht abgeschlossen sein, denn der liebe Gerhard vom Isarblog hat mir an dem Tag nämlich eine sehr tolle Empfehlung für den Bezug von Gläsern der Marken Riedel, Spiegelau und Nachtmann gezeigt. Den Werksverkauf im beschaulichen, niederbayrischen Spiegelau.

Da ich schon länger das Projekt vorantreibe, bei Gläsern und Geschirr auf hochwertige Produkte aus heimischer Produktion zu setzen, war es für mich sehr nahe liegend diesem Werksverkauf einen Besuch abzustatten.

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Denn ich war nicht nur auf der Suche nach einer Sorte Gläser, sondern brauchte durchaus ein wenig mehr:

  • Rotweingläser
  • Weißweingläser
  • Longdrinkgläser
  • Tumbler
  • Wassergläser
  • Teegläser

Besonders bei den Wein- und den Longdrinkgläsern bin ich durchaus wählerisch. Ein hochwertiger Inhalt benötigt auch ein Gefäß in dem der gute Rum, der gute Wein oder auch der leckere Gin Tonic gut zur Wirkung kommen kann und das eine gewisse Wertigkeit ausstrahlt.

So muss ein Weinglas eine elegante Form haben, ohne dabei zu verspielt zu sein. Nicht zu schwer sein, aber dennoch schwer genug um noch gut in der Hand zu liegen. Viele Anforderungen, die je nach Trinker auch durchaus abweichen können.

Dieselben Eigenschaften benötigt auch ein Rumglas, hier ist aber noch die Form des Glases von entscheidender Wichtigkeit. Wie ein guter Wein muss auch hier ein wenig „Bauch“ vorhanden sein, in dem sich die Aromen entwickeln können, während der Rum im Glas liegt.

Bei den reinen Longdrinkgläsern und den Tumblern bin ich dann allerdings deutlich weniger kritisch. Diese Gläser müssen für mich stilistisch in eine uralte Bar passen, die vom Boden bis zur Decke mit Zigarrenrauch zugequalmt ist: Schwer, wuchtig, raue Oberfläche und eine gewisse Größe, damit sie nicht mehr mühelos in der Hand gehalten werden können.

Die (arme) Verkäuferin des Werksverkaufs konnte mich dahin gehend aber sehr gut beraten und hatte offensichtlich auch unendliche Geduld während ich quasi den halben Laden umgeräumt habe.

Nach ca. 2,5h beendete ich dann, mit meiner Bezahlung, das Martyrium der armen Frau. Glücklicherweise habe ich bei fast allen Gläsern etwas gefunden, was meinen Anforderungen entsprach. Nur bei den Teegläsern musste ich leider passen. Während es bei Weingläsern locker 20 verschiedene Modelle gab (Spiegelau, Nachtmann und Riedel), war die Auswahl hier schon deutlich limitierter und ich habe leider nichts gefunden, was mir zugesagt hätte :(.

Nichtsdestotrotz war es ein sehr erfolgreicher Tag im bayrischen Wald, den ich dann mit einem Besuch im Penninger Schnapsmuseum abschließend konnte… Mit Bärwurz werde ich in diesem Leben aber wohl nicht mehr warm ;-).

Zur Seminar von Spiegelau „Master of Glass & Taste“ wurde ich unentgeltlich eingeladen. Es fielen für mich an dieser Stelle keine Kosten an. Der Ausflug nach Spiegelau und der Besuch des Werksverkaufs erfolgten auf eigene Kosten. Ich erhielt weder Rabatte, Geschenke, noch wurde ich von Spiegelau nach Spiegelau eingeladen. Alle Inhalte beschreiben meine eigenen Erfahrungen und wurden nicht durch Dritte beeinflusst.